Was macht eine Frau zur Frau?

Gebärmutter? Eierstöcke? Brüste? Menstruation? Hormone? Fruchtbarkeit?
Wir lernen von klein auf, bestimmte körperliche Merkmale mit Weiblichkeit zu verbinden. Aber was passiert, wenn eines davon nicht mehr da ist?
Es gibt Fragen, über die man erst nachdenkt, wenn der eigene Körper plötzlich nicht mehr selbstverständlich erscheint. Eine davon lautet: Was macht eine Frau eigentlich zur Frau? Eine Frage, die zunächst fast absurd klingt. Und doch steckt darin viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Denn was geschieht mit dem Bild von Weiblichkeit, wenn eine Frau ihre Gebärmutter verliert? Wird damit tatsächlich nur ein Organ entfernt – oder fühlt es sich für manche Frauen an, als würde ihnen ein Stück ihrer Weiblichkeit genommen? Und wer entscheidet eigentlich, wo Weiblichkeit beginnt und wo sie endet?
„Ich weiß, dass dieses Organ nicht definiert, wer ich bin.“
Und:
„Trotzdem kann sich der Verlust dieses Organs wie ein Verlust von mir selbst anfühlen.“
Unser Körper ist nicht einfach nur eine biologische Hülle. Wir leben in ihm. Wir entwickeln ein Verhältnis zu ihm. Wir verbinden mit ihm Erfahrungen, Erinnerungen, Sexualität, Verletzlichkeit und manchmal auch bestimmte Vorstellungen davon, wer wir sind.
Deshalb kann die Entfernung eines Organs emotional viel größer sein als der medizinische Eingriff selbst.
Medizinisch kann es ein Organ sein.
Emotional kann es ein Teil der eigenen Identität sein.
Die Gebärmutter steht gesellschaftlich für Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft. Aber eine Frau muss weder Mutter sein noch Kinder wollen, damit der Verlust ihrer Gebärmutter etwas mit ihr macht. Auch wenn nie ein Kinderwunsch vorhanden war, kann der Gedanke daran, dass dieses Organ nun nicht mehr zum eigenen Körper gehört, etwas auslösen. Vielleicht geht es dabei gar nicht um die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen. Vielleicht geht es vielmehr darum, dass ein Teil des eigenen Körpers, der immer da war, plötzlich nicht mehr da ist.
Und was ist mit den Eierstöcken?
Auch die Eierstöcke sind weit mehr als nur Organe, die mit Fruchtbarkeit in Verbindung stehen. Sie spielen eine wichtige Rolle im Hormonhaushalt und können damit einen Teil des körperlichen Erlebens einer Frau bestimmen. Wird ein Eierstock oder werden beide Eierstöcke entfernt, kann das körperliche Veränderungen mit sich bringen. Werden sie erhalten, kann die Situation wiederum eine ganz andere sein. Auch der Gebärmutterhals und die Eileiter können je nach medizinischer Situation erhalten bleiben oder entfernt werden.
Auch die Menstruation kann Teil dieses Körpergefühls sein.
Viele Frauen verbringen einen großen Teil ihres Lebens mit ihrer Periode. Sie kann schmerzhaft sein, belastend, lästig oder einfach etwas, das jeden Monat selbstverständlich dazugehört. Vielleicht hat man sie unzählige Male verflucht und sich gewünscht, sie möge endlich aufhören. Und trotzdem kann ihr plötzliches Ausbleiben etwas auslösen.
Denn manchmal wird einem erst bewusst, welche Bedeutung etwas hatte, wenn es nicht mehr da ist. Die Menstruation kann für eine Frau ein Zeichen dafür gewesen sein, dass ihr Körper funktioniert, dass ein bestimmter Lebensabschnitt noch da ist oder dass bestimmte körperliche Möglichkeiten bestehen. Wenn sie nicht mehr kommt, kann sich das deshalb emotional anders anfühlen, als man vorher erwartet hätte.
Hormone gehören ebenfalls zu dieser Veränderung.
Wenn die Eierstöcke entfernt werden, verändert sich der Hormonhaushalt deutlich. Aber auch wenn die Eierstöcke erhalten bleiben, kann eine Operation Veränderungen im eigenen Körpergefühl mit sich bringen. Jede Frau erlebt das anders. Manche empfinden eine Veränderung kaum, andere nehmen ihren Körper danach sehr viel bewusster wahr.
Und genau darin liegt etwas Wichtiges: Es gibt keine vorgeschriebene Reaktion auf den Verlust eines Organs. Eine Frau muss nicht traurig sein. Sie muss nicht erleichtert sein. Sie muss nicht das Gefühl haben, einen Teil ihrer Weiblichkeit verloren zu haben. Aber wenn sie genau dieses Gefühl hat, ist es deshalb nicht weniger real.
Besonders eng mit Weiblichkeit verbunden wird gesellschaftlich die Fruchtbarkeit.
Frauen lernen häufig schon früh, dass ihr Körper grundsätzlich die Möglichkeit beinhaltet, ein Kind zu bekommen. Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft werden noch immer stark mit dem Bild von Weiblichkeit verbunden. Doch nicht jede Frau möchte Mutter werden. Nicht jede Frau kann Mutter werden. Und nicht jede Frau definiert sich über diesen Wunsch.
Trotzdem kann der Verlust der Fruchtbarkeit schmerzhaft sein. Nicht unbedingt, weil tatsächlich ein Kind gewünscht war, sondern weil eine Möglichkeit unwiederbringlich verloren geht. Eine Möglichkeit, die vielleicht niemals genutzt worden wäre, die aber bis dahin zum eigenen Körper gehört hat.
Das ist ein Unterschied, den Außenstehende manchmal schwer verstehen können.
Man kann niemals Kinder gewollt haben und trotzdem um die eigene Fruchtbarkeit trauern. Man kann erleichtert über eine notwendige Operation sein und gleichzeitig traurig darüber, was der eigene Körper dadurch verloren hat. Man kann wissen, dass ein Eingriff medizinisch notwendig war und trotzdem das Gefühl haben, dass sich etwas Grundlegendes verändert hat.
Und genau hier liegt der vielleicht wichtigste Punkt dieses ganzen Themas.
Eine Frau kann ganz genau wissen: „Dieses Organ definiert nicht, wer ich bin.“ Und gleichzeitig kann sie fühlen: „Trotzdem fühlt es sich an, als hätte ich einen Teil von mir verloren.“
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Der Verstand kann etwas wissen, während das Gefühl etwas völlig anderes verarbeitet. Und gerade bei Veränderungen am eigenen Körper lässt sich dieser Widerspruch nicht einfach wegdiskutieren.
„Du bist doch immer noch eine Frau.“
Ja.
Natürlich ist sie das.
Aber manchmal reicht dieser Satz emotional trotzdem nicht aus. Denn er beantwortet nicht die Frage, was eine Frau mit dem Verlust eines Körperteils macht, das über Jahrzehnte zu ihr gehört hat. Er nimmt nicht automatisch die Trauer, die Unsicherheit oder die Veränderung des eigenen Körpergefühls.
Nicht jeder Verlust ist von außen sichtbar.
Eine Frau kann nach außen genauso aussehen wie vorher. Niemand sieht, dass sich etwas verändert hat. Niemand sieht vielleicht die Gedanken, die plötzlich da sind. Niemand sieht die Frage, ob man sich selbst noch genauso wahrnimmt wie früher.
Vielleicht schaut man in den Spiegel und weiß rational, dass man noch dieselbe Person ist. Und trotzdem kann sich das eigene Körpergefühl verändert haben. Das bedeutet nicht, dass die Frau weniger weiblich ist. Es bedeutet auch nicht, dass ihre Weiblichkeit tatsächlich in einem Organ gelegen hat.
Es bedeutet lediglich, dass der eigene Körper Teil der eigenen Identität ist und dass eine tiefgreifende körperliche Veränderung deshalb auch emotional verarbeitet werden darf.
Weiblichkeit ist mehr als ein Organ.
Eine Frau ist nicht ihre Gebärmutter. Sie ist nicht ihre Eierstöcke. Sie ist nicht ihr Gebärmutterhals oder ihre Eileiter. Sie ist nicht ihre Menstruation, ihre Hormone oder ihre Fruchtbarkeit.
Aber all diese Dinge können Teil ihres Körpergefühls gewesen sein. Sie können Teil ihrer Geschichte gewesen sein. Teil ihrer Erfahrungen, ihrer Erinnerungen und ihrer Vorstellung davon, wie sie sich selbst als Frau erlebt.
Deshalb darf eine Frau wissen, dass sie auch ohne diese Organe vollständig Frau ist, und trotzdem um das trauern, was ihr Körper verloren hat. Vielleicht ist genau das etwas, das wir als Gesellschaft besser verstehen müssen: Nicht jeder Verlust muss logisch erklärt oder relativiert werden. Manchmal muss er einfach anerkannt werden.
Eine Frau muss nicht beweisen, dass sie stark genug ist, damit umzugehen. Sie muss auch nicht sofort dankbar sein, dass ein medizinisches Problem gelöst wurde. Sie darf erleichtert sein. Sie darf traurig sein. Sie darf wütend sein. Sie darf sich fremd im eigenen Körper fühlen. Und sie darf irgendwann einen neuen Umgang mit diesem Körper finden.
Deshalb gibt es keine einfache Antwort auf die Frage: Was macht eine Frau zur Frau?
Es ist nicht ein einzelnes Organ. Es ist nicht die Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Es ist nicht die Menstruation. Es sind nicht die Hormone. Und trotzdem können genau diese Dinge einen Teil dessen ausmachen, wie eine Frau ihren Körper erlebt und ihre Weiblichkeit empfindet.
Es geht deshalb nicht darum, nach einer Operation zu fragen: „Bin ich jetzt noch eine Frau?“
Die wichtigere Frage lautet: „Was bedeutet diese Veränderung für mich? Was hat sich in meinem Körper verändert, was bedeutet dieser Verlust für mein Selbstbild und was brauche ich, um mich in meinem eigenen Körper wieder zuhause zu fühlen?“ Denn eine Frau muss nicht körperlich unverändert bleiben, um vollständig Frau zu sein. Aber sie darf trotzdem um das trauern, was verloren gegangen ist.
Genau darin liegt die eigentliche Antwort: Weiblichkeit lässt sich nicht an einem Organ festmachen. Aber der Verlust eines Organs darf trotzdem tiefgreifend sein.
Wenn dich dieses Thema persönlich beschäftigt und du das Gefühl hast, deine Gedanken und Gefühle dazu nicht allein sortieren zu können, kannst du dich gerne an mich wenden. Im Rahmen meiner spirituellen Beratung bei Witchcraft of Baal nehme ich mir Zeit für deine persönliche Situation und die Themen, die dich gerade bewegen.




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